Modest Moussorgsky «Bilder einer Ausstellung“. Teil 8 «Limoges. Der Marktplatz» 
(Die große Neuigkeit)

Das ist die zweite Humoreske nach dem wunderbaren Hühnerballett. Es ist der menschlichen Dummheit und Klatsch gewidmet. Indem es auf die Realitäten von heute übertragen wird, ist „Limoges“ wie unser modernes Internet. Jemand bringt etwas ins Gerede, alle besprechen es, aber niemand versteht wer und wovon man spricht. Das Wesentliche für Modest Petrowitsch war, diesen Unsinn, diese Absurdität zu zeigen.

Wieder zeigt er seine fantastische Meisterschaft … nicht das Instrument: Ich will immer die Beherrschung des Instruments sagen, aber nein. Er zeigt seine fantastische Beherrschung der Musik. Er kann alles durch Musik übertragen, das ist die wahre Gabe des Komponisten. Gott sein Dank, dass diese Gabe zweckgemäß angekommen ist. Das heißt, sie trat in den Körper und die Seele einer bestimmten Person ein: Modest Petrowitsch und drückte sich durch seine Persönlichkeit aus. Diese Gabe ist offensichtlich ein göttliches Geschenk, wie wir in diesen Fällen sagen, weil wir nicht wissen, wie man es erklären soll.

Also, was genau geht hier vor? Es ist notwendig, sehr genau zu bestimmen, wo hier die Atmosphäre und wo die Handlung ist. Im Allgemeinen führt die Interpretation dieses Stückes zu einem doppelten Unsinn, da die Darsteller nicht in der Lage sind, die musikalische Sprache zu lesen und ihre Bedeutung zu verstehen, wir haben das schon mehrmals gesehen. Der Unsinn in diesem Stück wird als Karikatur, als Parodie ausgearbeitet, und nur durch das Verstehen der musikalischen Sprache können wir sie übermitteln und darüber lachen. Deshalb ist es sehr lustig, schön konstruiert und Sie müssen jedes Detail genießen, in dem Mussorgsky seine unglaubliche Kunst der Parodie, Karikatur und Humor zeigt. Wenn wir das aber nicht verstehen, fügt Unsinn Unsinn hinzu und wird Unsinn zum Quadrat, das Werk verliert seinen ganzen Wert, verwandelt sich nur in eine technische Leistung, in eine Brucharbeit, in ein unverständlichen Stück, ähnlich dem Klappern des Buntspechts.

Es ist natürlich schrecklich. Ich würde gerne dieses Thema ansprechen und ich werde kleine Stopps machen, indem ich mich vom Thema wegbewege, denn wir in die letzte Phase dieses großartigen Gemäldes eintreten und ich möchte auf der einen Seite die Meisterschaft und das Genie von Modest Petrowitsch ausführlicher erörtern, und auf der anderen Seite von den Sinnen zu sprechen, die sich mit einem tieferen Blick auf die musikalischen Texte öffnen.

Wie immer suchen wir nach dem, was der Komponist uns sagen möchte.

Es ist notwendig, sehr sorgfältig alle Daten, alle Informationen zu sammeln, alle möglichen identischen Erzählungen der Komponisten, weil das Genre “humoresque” einen großen Platz in der Kunst des Komponierens und allgemein in der Weltmusik hat. Dies ist leider nicht in unseren Konzerthallen zu finden und was wir definitiv in der Musik verloren haben. Das ist unsere Fähigkeit zu lachen, wenn Komponisten lachen und lustige Dinge in der Musik machen, wenn sie durch ihren Humor glänzen. Das Publikum sollte im Konzertraum Mühe haben, sein Lächeln und manchmal sogar sein Lachen beizubehalten.

Diese Qualitäten und Gefühle sowie viele andere gehen in der Interpretation der klassischen Musik verloren. Musik ist so reich wie alles, was wir in unserem schönen menschlichen Leben, in unserem Sein haben. Aber in diesen letzten hundert Jahren ist die Engstirnigkeit der Darsteller Ursache einer sehr seltsamen Haltung gegenüber der klassischen Musik: Entweder ist es eine pseudo-philosophische dogmatische Erzählung oder es sind leidenschaftliche Emotionen. Es gibt immer viel Kummer, und seltsamerweise verschwinden der Witz, der Humor, die aphoristische Brillanz und der Glanz der Paradoxe vollständig. Wir wissen das einfach nicht, als ob es in der Musik nicht existiert.

In Wirklichkeit, unsere Musik, oder besser gesagt, was in den letzten hundert Jahren von den Künstlern unter dem Namen der klassischen Musik präsentiert wurde, ist in Körper und Seele wegen der reduzierten Fähigkeiten von Musikern verzerrt. Sie sind unfähig, die volle anthropologische Schönheit der von den besten Vertretern der Menschheit geschaffenen Musik zu erfassen. Das bedeutet, dass wir hier den brillantesten Humor, die glanzvollen Paradoxe und Aphorismen haben, nur sind sie in die musikalische Sprache umgesetzt.

Schauen wir uns dieses wundervolle Stück an, wie wir es normalerweise tun. Das ist fast ein Spott: bewundernswert, lustig, aber wohlwollend. Bei Modest Petrowitsch gibt es nichts Böses. Das ist ein großartiger Charakter. Ich habe schon mehrmals gesagt, dass er ein großer Humanist ist, um ein Wort zu benutzen, das leider überstrapaziert wird. Ja, er war wirklich ein großer Humanist, ein Mensch, der die Menschheit verstand, sie liebte und sah mit Ironie und ohne Bosheit alle menschlichen Laster (Dummheit ist natürlich die Quelle fast aller Missgeschicke).

Hier ist der erste Takt des Stückes. (7.12) Massenszene. Wir sehen die Menschen, wir haben ein Gefühl der Munterkeit. Komponisten verwenden oft diese gebrochene Technik, um eine Atmosphäre zu schaffen. Geh nicht weit, als Beispiel können wir Schostakowitsch nehmen. (7.35) “Der Morgen begrüßt uns mit seiner Frische”. Hier ist es dasselbe. (7.40) Das ist die Atmosphäre. Also lesen wir den erste Takt als Schaffung von Atmosphäre und nicht als persönliche Aktion.

(7.55) Das ist eine kinematographische Methode. Übrigens über die Verfahren: Es ist lange her, dass ich diese Botschaft vermitteln wollte. Mussorgsky starb 15 Jahre vor dem Erscheinen des Kinos. In der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts bewegten sich die Komponisten bereits in ihrer Musik von einem Planeten zum anderen, sie flogen, teleportierten, erfanden alle Arten von Motoren, ernste und lustige, sie bewegten sich aus der Entfernung. Sie haben bereits alle möglichen filmischen Prozesse erfunden, die wir heute kennen, einschließlich Schnitt, Überlagerung von Filmbildern – das alles ist bereits in Liszts Musik vorhanden.

Beginnend mit unseren “drei Musketieren”, wie ich sie nenne: Schumann, Chopin und Liszt, haben alle drei bereits alle modernen kinematographischen Prozesse und alle vorstellbaren visuellen und akustischen Effekte geschaffen. Einschließlich physikalisch-technische Erkenntnisse, die wir heute nutzen, so wie Raumfahrt, Satellitenflugzeuge, Flugzeuge usw. All das war in ihrer Vorstellung und alles ist bereits in ihrer Musik übertragen.

Also haben wir nichts Neues erfunden. Wir haben es nur materialisiert. Mit anderen Worten, es ist offensichtlich, dass die Menschen darüber nachdachten und vor Tausenden von Jahren davon träumten. Aber in der Musik wurde es in der akustisch-visuellen Kunst umgesetzt, die mit dem Erscheinen dieser drei eindrucksvollen, fast zeitgenössischen Charaktere geboren wurde: Schumann und Chopin wurden im selben Jahr und Liszt zwei Jahre später geboren. Dank dieser drei kraftvollen Figuren haben wir uns eine grenzenlose Phantasie angeeignet, die in Musik und durch Musik mit allen modernen Ideen verkörpert ist.

Natürlich nutzt und entwickelt Modest Petrowitsch das großartig dank seiner slawischen Wurzeln und persönlichen Besonderheiten. Ich muss sagen, und wir müssen verstehen, dass die Psyche dieser wunderbaren Menschen sehr zerbrechlich war aufgrund der Tatsache, dass sie in dieser Welt lebten und bereits alle die erstaunlichen Ideen verkörpern konnten, die ihnen in den Sinn kamen. Ihre Psyche war immer am Rande des Wahnsinns, aber offensichtlich auf eine gute Weise, nicht im Sinne von albern oder deprimierend. Nein, sie waren nur Menschen, sehr empfindlich und mit der großen innere Welt und mit der unglaublichen Vorstellungskraft. Dem menschlichen Körper und dem Gehirn ist es sehr schwierig, so viel Phantasie zu unterstützen. Wir wissen, dass alle diese Leute, die ich erwähne – Modest Petrowitsch, Chopin und Schumann – an Halluzinationen litten. Oft aus einem Zustand, in dem sie uns übermitteln konnten, gingen sie in einen anderen kranken Zustand über, wo ihre Psyche kurz vor dem Bruch stand und sie hatten Angst vor ihren eigenen Visionen. Das ist eine sehr schwierige Konversation, aber lehnen wir das nicht ab, lasst uns weiter gehen. Ich möchte nur, dass Sie verstehen, wie phänomenal das ist. Die Psyche und Phantasie dieser Menschen ist phänomenal und gleichzeitig von großer Ausdauer. Körperliche Ausdauer, um diese Exzesse der Phantasie, diese Exzesse der Gehirnarbeit zu unterstützen. Sie konnten damit nicht nur umgehen und waren auch nicht in einer Anstalt eingesperrt, sondern kreierten und übertrugen uns durch Musik Ideen, die trotz des technischen Fortschritts noch nicht in unserem Leben materialisiert sind.

Wir waren also bei der Atmosphäre: (12.19) Nachdem wir die Atmosphäre geschaffen haben, von dem zweiten Takt gehen wir zu der Handlung. 12.19 Alles hier ist so reichhaltig, dass ich mich oft unterbreche, um zu erklären, was passiert. (12.27) Wir wissen es und Musikwissenschaftler sagen es auch (leider können sie nichts anderes sagen), dass Modest Petrowitsch einige Vorschläge machen wollte, was hier vor sich geht. Er schrieb sogar auf Französisch eine kleine französische Geschichte: eine Art Tratsch, ein Klatsch, ein totaler Unsinn, in der Frauen absurde Sätze sagen, sich wiederholen, Fragen stellen und sich gegenseitig unterbrechen. Er wollte nahelegen, wie man dieses Stück interpretiert. Aber dann löschte er alles aus, wie es oft bei Komponisten vorkommt.

Dasselbe ist einmal mit Chopin geschehen. Vielleicht sogar mehr als einmal, wir wissen es nicht genau. Aber nach den autobiographischen Informationen, die wir kennen, wollte Chopin auch den Großteil dessen beschreiben, was er dem Darsteller vermitteln wollte, löschte dann aber alles aus. Dasselbe geschah mit Beethoven, Ravel und Schostakowitsch. Sie alle wollten uns in literarischer Form mitteilen, was sie in ihre Musik einbringen. Dann kamen sie zum Schluss, dass es nutzlos war. Dasselbe mit Rachmaninow, der sagte, dass die intelligente Person selbst verstehen würde, wenn der dummen Person nichts helfen würde. Dieser Gedanke hat immer alle großen Komponisten daran gehindert, zu viele Hinweise zu geben.

Das gleiche passierte mit Modest Petrowitch, der beschloss, das, was er geschrieben hatte, zu löschen: diese Klatschgeschichte. Und ja, denn nichts wird dem Interpreten helfen, wenn er keine wirkliche Vorstellungskraft hat, jedenfalls wird er es nicht verkörpern können. Auf der anderen Seite wird er mit einer künstlerischen Vorstellungskraft die Musiksprache entsprechend seiner Professionalität lesen.

Aber wir wissen, und wir kommen zu dem gleichen Schluss in dieser Reihe von „Bildchen“, dass diese musikalische Sprache praktisch für alle professionellen Musiker ein Rätsel bleibt. Mit anderen Worten, Sprache wird auf der Ebene von Sätzen gelesen, aber nicht auf der Ebene von Wörtern oder dem Verständnis der Bedeutung von musikalischen Wörtern. Dies ist der Grund, warum es viele Absurditäten und Fehlinterpretationen gibt. Hier ist das Gleiche: indem wir alle vorhandenen Interpretationen dieses kleinen Stückes Limoges durchstöbern, werden wir nur die allgemeine Vorstellung davon haben, was hier vor sich geht. Die Musiker sind begeistert von den Tempi und beginnen unglaublich zu beschleunigen, indem sie ihre körperlichen Fähigkeiten zeigen, während die künstlerischen Aufgaben hier ganz andere sind.

Das Wichtigste ist hier zu vermitteln, was die Charaktere sagen, denn es gibt Menschen. Es gibt einen Markt, es gibt Gerüchte, Gevatterinnen reden und klatschen. Dies ist so stark und so präzise ausgedrückt durch musikalische Techniken, dass wir alles entziffern können. Es braucht Zeit und einen Teil eines Lebens und erst dann können wir es entziffern. Alles andere, was wir von der Bühne hören, ist einfach ein unprofessioneller Ansatz.

Nach dem Erstellen einer Atmosphäre: (15.50) Anscheinend ist es ein kühler Morgen, der Markt, die Massenszene, viele Leute, in ein paar Tönen: 2, 3, 4 … in 16 Noten entsteht die Atmosphäre und das ist schon ein kinematografisches Bild. Dann hören wir Stimmen. (16.14) Was ist das? Wir wissen, dass von einer Flucht der Kuh die Rede ist. Dann versteht niemand, ob es eine Kuh ist oder ob jemand seine Zähne oder etwas anderes verloren hat. Kurz gesagt, es ist totale Verwirrung. Lasst uns die Sprache entziffern.

Im Hinblick auf den Bruchteil, (16.41) da es eine Atmosphäre ist, muss es zurücktreten. Die Stimmen der Gevatterinnen müssen im Vordergrund stehen. Daher ist alles andere Teil der Begleitung, der Atmosphäre. (16.54) Es wird die ganze Geschichte aufhellen. Im Vordergrund müssen wir die Gesichter der Klatschenden sehen, wie im Kino (17.17) Hier ist der erste Klatsch, es wird gestartet. (17.21)

Dann haben wir vier merkwürdige Akzente. (17.26) Was ist das? Alles hier ist sehr subtil, wie es in der wahren musikalischen Interpretation ist. Wir müssen entschlüsseln, was der Komponist meint und Akzente setzen – ein starker Akzent in der musikalischen Sprache heißt Sforzando. Der Komponist sagt hier: “sempre scherzando”, scherzhaft, also muss es sehr lustig sein. Aber in der klassischen Musik sind die Darsteller so daran gewöhnt, sich wie auf einer Beerdigung zu verhalten, dass sie denken: “Nun, okay, das ist Scherzando, es muss ihm komisch vorgekommen sein, wenn es dort gar nichts Lustiges war.

Aus dem einen oder anderen Grund ist es die Haltung fast aller Künstler gegenüber der Musik und den Anweisungen der Komponisten, die für ein Beerdigungs-Team gehalten werden. Schon vorab muss es langweilig sein. Und wenn es sie zum Lachen bringt, finden wir es überhaupt nicht lustig. Auf der einen Seite ist es ein Minderwertigkeitsgefühl, auf der anderen Seite eine unglaubliche Überlegenheit. In der Regel geht das leider oft zusammen. Aber die Komponisten waren geniale Menschen. Wir alle erkennen und verstehen das gut. Das heißt, wenn sie Scherzando sagten, war es wirklich lustig. Das bedeutet, dass es sie  zum Lachen bringt, dass ihre Kreation Spaß macht und dass sie uns zum Lachen bringt! So liegt das Problem in uns, wenn wir keine komischen Bilder finden, das bedeutet, dass wir die Bedeutung der Arbeit nicht verstehen und entziffern.

Wie viele Scherzos sind von den großen Komponisten geschrieben worden! Mein Gott! Jeder zweite oder dritte Satz von Symphonien ist ein Scherzo. Lachen wir in der Konzerthalle? Niemals! Bringt uns Musik zum Lachen? Niemals! Hier sind die schrecklichen Dinge, die in der Welt der Darsteller passieren.

Also was ist es? (19.13) Es ist eine Karikatur, es ist eine Parodie. Offensichtlich ist es Lachen! Ha! Ha! Ha! Ha! (19.21) Ein Klatsch wird gestartet. Jeder reagiert: “Ha! Ha! Ha! Ha! “.(19.29)

Sogar die Zirkusmusiker kennen dieses Lachen. So spielen sie die Trompete, das Saxophon, die Geige, das Cello oder ein anderes Blasinstrument. Solches Gelächter in einem Zirkus, (19.43) in einer Schaubude oder auf der Straße wird immer von einem Trommelschlag gefolgt. Der Clown macht einen Witz und wird von dieser Art von Karikatur begleitet – es ist ein musikalisches Lachen. “Ha! Ha! Ha! Ha! “ (20.02)

Sie sehen, so ein kleines Detail, es gibt nur 8 Noten und wie lange es dauert, um zu verstehen und zu entziffern, was der Komponist hier meinte. Wir können es dann interpretieren und der Öffentlichkeit angemessen präsentieren. Natürlich können wir dieses Lied spielen wie alle anderen. (20.22) Vier Akzente, aber sie werden nichts sagen.

Das Problem ist, dass wenn ein Interpret nicht genau versteht, worüber er spricht, kann er es auch nicht vermitteln. Dies wird nicht nur durch Musik übertragen, sondern durch unbekannte Kommunikation, Magnetfelder – Wissenschaftler müssen es noch entdecken. Aber was macht die musikalische Magie und musikalische Kommunikation des Musikers und des Publikums lebendig? Das ist, wenn alle künstlerischen Bilder dank solidem Wissen und großer Ausdruckskraft zu uns gelangen. Wir können es nicht in der Konzerthalle erwischen und nicht sofort verstehen, was der Interpret uns sagt. Aber wir werden es fühlen und dann wird es in uns wachsen, das ist Verständnis. Jedenfalls haben wir den Eindruck einer bedeutenden musikalischen Show: Ohne unbedingt zu wissen, was vor sich geht, werden wir trotzdem lachen, weil es lustig wird.

Also (21.22)] ist das Lachen. Ha! Ha! Ha! Ha! Das Gelächter. Ich möchte Ihnen zwei kleine Beispiele zeigen, wie Komponisten Gelächter zum Ausdruck bringen. Hier ist ein Karikaturlachen. Ich bin sicher, dass das nicht Modest Petrowitschs Lachen ist. Ich denke, dass er als eine offene Person und mit großem Temperament herzlich, aber nicht so lachte. Obwohl es oft vorkommt, dass Menschen ihren Bauch lachend halten, ist es dennoch ein Lachen der Parodie.

Zum Beispiel so hat Chopin gelacht. (21.54) Natürlich war es sein eigenes Lachen. Es ist ein zwitscherndes Lachen, erstickt sogar leicht, und nach diesem Lachanfall lacht Chopin wieder. Offensichtlich zeigte er sein eigenes Gesicht.

Und so drückt Liszt Lachen aus (22.18) was von unglaublichem Gelächter gefolgt ist. Aber das ist ein Lachen mit einem philosophischen Inhalt, es ist der von Mephistopheles, mit dem Liszt am Ende seiner Sonate lacht. Hier ist etwas Gruseliges und Gefährliches. Da Liszt polemisch-philosophisch eingestellt war (er ist ein echter Musikphilosoph), spricht er gewöhnlich von kosmischen, philosophischen und synthetischen Dingen auf der Ebene von Goethe und Faust. Deshalb ist dieses Lachen anders.

Aber wie Sie sehen können, wenn die Coda von Liszts Sonate auf Mephistopheles Gelächter basiert, spricht Chopin wie immer über sich selbst und sein Lachen ist herrlich und charmant. Nun, Modest Petrowitsch präsentiert hier das Clownlachen.

Lassen Sie uns weiter. (23.27): Ha! Ha! Ha! Ha! [23.30] Dann zeigt er uns durch Akzentveränderungen die Reaktion verschiedener Charaktere. (23.40) Weiter ist Betonung auf den zweiten Taktschlag statt auf den ersten.

(23.45 Dann wieder auf der zweiten (23.47) und auf der ersten. Wir fügen eine polyphone Reihe hinzu, in der wir zwei Klatschplauderinen sehen.

Mit anderen Worten, wir haben immer noch [23.58 diese nervöse Fragmentierung, die spezifisch für den Markt ist und  besonders für die Gerüchtemacher. Die Schwierigkeit der Interpretation liegt aber gerade darin, ein künstlerisches Bild zu schaffen, wenn wir die weniger wichtigen Details entfernen müssen, nämlich die Details einer Atmosphäre. (24.19) Hier sind sie.

Und das ist das Gespräch, hier ist es. (24.23)

(24.27) Das ist überzeugend,

(24.29) Das ist überraschend.

“Aber was sagst du da! ” (24.34)

“Aber ich versichere dir! ” (24.35)

“Das ist nicht wahr! ” (24.37)

Weiter Zwei Gevatterinen haben sich schon aufeinander geworfen.

“Und ich sage dir das …”

(24.45) “Komm schon! “

(24.46) “Ich versichere dir! “

“Aber nein, das ist nicht möglich! “

Und sie kommen zurück zum ersten Klatsch. (24.53) Aber danach gibt es ein ganz anderes Verständnis dieses Klatsches, eine andere Interpretation. Wie es das Vorsagen war: Zuerst haben wir über eine Kuh gesprochen, dann haben wir Zähne verloren, da ist der Kuckuck los! Kurz gesagt, das ist ein kompletter Unsinn und was Fellini und andere Leute mit der Gabe der Karikatur und Parodie gern im Kino zeigten.

(25.24) Wenn Sie sich erinnern, war unser erster Klatsch wie folgt: (25.31) Die Reaktion war nicht zu scharf, aber hier genau umgekehrt. Wir sehen die Reaktion in einem anderen Ton und mit einem anderen Charakter. (25.46) Hier kommt eine andere Person, Jemand groß und wichtig, dann ein anderer Charakter, der die Initiative der Konversation übernimmt. (26.10) Alle halben Takte gibt es eine Veränderung der Situation. Die Überraschung, eine Person versucht, den anderen zu überzeugen, Klatsch wie zwei Gänse. Eine interessante Bemerkung: wenn in dem Alten Schloss Modest Petrowitsch leicht von Italien zu den Harmonien von Südspanien überging (was mich zum Lachen brachte), hier ist es sicherlich kein russischer Markt. Nein, sie sind französische Kaufleute, protzige Frauen, selbstgefällige Weiber, dummes Ding. (26.47) Es ist unglaublich schlau. (26.55) Ein protziger Satz und die zweite Person, die zuhört, scheint zu sagen: “Ja-ja ja-ja, ja-ja-ja-ja, ja-ja-ja-ja. ” In der Tat sagt uns diese Fragmentierung über viele Dinge. Das ist die Magie der musikalischen Sprache mit tausend Assoziationen.

Ich versuche so wenig wie möglich zu tun, um nicht mit meinen eigenen Assoziationen ihre Ohren zu verstopfen. Aber ich möchte ihr nur sagen und ihr zeigen, wie fantastisch und witzig das ist. Nun, (27.35) es ist also eine Überraschung. An diesem Punkt beginnt man, den anderen immer virulenter zu überzeugen, obwohl das Thema der Diskussion schon lange vergessen ist und das völliger Unsinn ist. (27.51) Wie Sie sehen können, gelangen wir zu vollkommener Absurdität. Jetzt übertreibe ich etwas, in der Tat kann es ruhiger gespielt werden. Aber es ist auch Modest Petrowitsch selbst, der die Situation absurd macht.

In den nächsten zwei Takten zeigt er durch eine einzige Note die Aufregung der Menge (das ist eine seiner erfolgreichsten Lieblingsmethoden). (28.30)

Er macht das auch in Boris Godunow, wir können ihn in der Szene „Unter Kromy“ hören, wenn eine Menge von aufgeregten Leuten ankommt. Er tat gut daran, das nicht durch eine Vereinbarung oder einen polyphonen Konflikt zum Ausdruck gebracht zu haben. Nein, er hat das gewählt. (28.53) Es ist die Gemeinschaft der Menschenmenge in ihrem allgemeinen Wahnsinn, wenn jeder menschliche Erscheinung verliert. Das sind ewige Diskussionen, die wir diskutiert haben, die bis ins Unendliche fragmentieren, der Klatsch wird dann kürzer und absurder. (29.12)

Wenn wir uns daran erinnern, ist unsere Aufgabe, dem Spaßvogel die Stimme zu geben, dabei bleiben die Zuhörer in den Nebenrollen. Wir müssen eine Atmosphäre schaffen, anstatt ein flaches Bild unserer Malerei oder unseres Films zu schaffen. Denn wenn wir das ganze Stück identisch spielen, wird es keine Tiefe geben, sondern nur eine flache und unbedeutende Reihe von Klängen.(29.45)

Nach diesem Fall in den Wahnsinn, wo ein Künstler nur sagen konnte: “Aaaaaaah! Es gibt keine Logik mehr, alles kommt außer Kontrolle, bringt uns Modest Petrowitch zum ersten Klatsch zurück. (30.28) Wieder mit diesem Clown-Lachen: ha-ha-ha-ha!  Mit den gleichen Techniken und der gleichen Musik schafft er verschiedene Situationen dank der verschiedenen Modulationen. (30.53) Zwei Gänse diskutieren.  Eine versucht zu überzeugen, die andere ist überrascht.  Und dank dieser Fragmentierung werden sie zu Hühnern, wenn Sie sich an unser Kükenballett erinnern.

Die Menge der Gevatterinnen und Tratschen sieht tatsächlich wie das Geräusch eines Hühnerstalls aus und oft machen Komiker ähnliche Vergleiche.

Wir sehen das Gleiche hier:

(31.31) Gewissheit, Widerrede, Alles bricht.

Jeder hat schon vergessen, wovon man spricht.

Einer schreit und wirft sich auf den anderen, um ihn zu überreden, aber niemand erinnert sich, was es ist. Dann erzählt uns Modest Petrowitsch eine Geschichte, wie es viele Komponisten, die gute Erzähler sind und künstlerische Bilder beherrschen (Story tellers), oft tun, und das sind fast alle Komponisten des neunzehnten Jahrhunderts, meist Romantiker.

Kurz gesagt, es ist eines der wertvollsten Talente des Komponisten – eine Geschichte zu erzählen: die seiner Seele oder einige Genreszenen. Und wir wissen, dass Mussorgsky das alles beherrscht.

Hier ist dieser kleine Epilog: Was sagt Modest Petrowitsch hier?

Er fordert, das Tempo zu reduzieren und so witzig wie möglich zu spielen: meno mosso, semper capriccioso.

(32.50) Was ist das? Im Prinzip ist es dasselbe, nur die Kamera bewegt sich weg. Atmosphärische Fragmentierung bleibt auf einer Seite.

Auf der anderen Seite ist es eine typische Technik: Theater, Zirkus, Oper oder Ballett, wenn nach einem Spiel Buffs alle Schauspieler am Ende vor uns stehen. Es ist eine typische Buffonade. Vor uns ist die Parade der Narren oder die Parade der Clowns. Die Action verlangsamt sich und alle Teilnehmer, alle diese Clowns beginnen auf der Bühne vor uns zu laufen (im Ballett benutzen wir oft diese Technik).

(33.56) Der letzte Takt. Das ist immer noch eine kinematographische und eine Tonaufnahme Technik: Es ist die permanente Beschleunigung bis zum Ende. Wir wissen aus den Filmen, dass, wenn die Absurdität ihren Höhepunkt erreicht, der Ton und das Bild sich beschleunigen. Wir sehen es bereits in Komödien aus der Zeit des Stummfilms, besonders aber in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Es wird noch heute in Komödien und TV-Shows verwendet: Wo immer der Direktor die Absurdität hervorheben möchte, greift er auf diese Technik zurück. Wir sehen also, dass diese Technik bereits in der Imagination und in der Seele der Komponisten existiert hat, bevor sie im Kino und in unseren Audioaufnahmen angekommen ist.

(35.15) Jetzt werde ich diese letzten vier Takte spielen: Die Parade der Narren und die Beschleunigung der Absurdität, wenn der Autor uns sagen will: “Gottes Namen, menschliche Dummheit ist unendlich und nichts wird sich ändern”. Er beschleunigt und führt uns zum Bild der totalen Absurdität, er winkt mit der Hand und sagt uns, dass die Menschheit unverbesserlich ist. (35.48) Heutzutage ist es immer noch relevant. So ist dieses kleine Scherzo. Es ist intensiv, lustig, parodistisch, er vermittelt die Atmosphäre wunderbar und drückt aus, was der Autor uns vermitteln wollte.

Vielen Dank.

(36.31)

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