Modest Mussorgski. „Bilder einer Ausstellung“. Teil 1 „Promenade“

„Bilder einer Ausstellung“ Teil 1 „Promenade“

Heute möchte ich ein langes Gespräch mit den Zuhörern beginnen, welches ohne Ende sein wird, bis zu einem logischen Abschluss, bis ans Ende meines Lebens.

Dieses Gespräch ist sehr wichtig, wir werden über die wichtigsten Werke der Klavierliteratur sprechen.

Heute möchte ich mit einem wunderbaren Werk von Mussorgsky „Bilder einer Ausstellung“ anfangen, ein Werk, welches eine revidierte Anschauung benötigt.

Ich bin davon überzeugt, dass man die Zuhörer für das Verstehen der Musik, die sie hören werden, vorbereiten muss.

„Muss man die Musik erklären ?“ Diese Frage höre ich oft.

Die Frage stellt sich vielleicht nicht in dieser Form, sie zeigt ein nicht ganz richtiges Verstehen der Aufgabe des Musikers und des Künstlers, der sein geehrtes Publikum in seine Werkstatt hineinblicken lässt.

Das ist keine Erklärung der Musik, das ist ein völlig anderer Prozess. Man kann nicht die Musik erklären, denn die Musik spricht für sich selbst. Es ist nicht möglich und auch nicht nötig.

Aber es ist absolut nötig zu wissen und zu verstehen, wie die Musik „funktioniert“.

Bei der seriösen Musik muss man die musikalische Welt, die Sprache, die Gedanken, die Absichten eines Komponisten, mit welchem sich das Publikum treffen wird, genau wissen.

Dies ist ein sehr aufregender Moment, ein lebendiger Moment in der Kommunikation mit der lebendigen Seele des Komponisten, die er uns in seiner lebendigen Musik für immer gelassen hat.

Die komplexeren und vor allem die grösseren musikalischen Werken, die voll mit unendlichen Bedeutungen und der inneren Welt des Komponisten gefüllt sind, wird niemand ohne eine spezielle Vorbereitung verstehen.

Das Fehlen dieser Praxis — die Vorbereitung der Zuhörer und auch der Profis auf das Werk, hat die musikalische Welt dazu geführt, dass selbst die Interpreten, die dieses oder jenes Werk schon seit Jahrhunderten spielen, nicht wissen, worum es eigentlich geht. Sie irren sich beim Verständnis des Werkes, bei den Aufbauprinzipien, den Lebensgesetzen und wovon es erzählt.

Versuchen wir doch, diese fehlerhafte Tradition zu durchbrechen. Zum Glück ist es heute möglich, das Publikum von seinem eigenen Zuhause, seiner eigenen Werkstatt aus anzusprechen, was wiederum eine Möglichkeit darstellt, die Verbindung zwischen dem Interpreten und seinen Freunden sowie dem Publikum in der ganzen Welt zu verstärken. Und vor allem ist es für uns möglich, das veraltete, historisch überwundene, intuitive, halb schamanische und reflektorische Kunstniveau zu einem Niveau des modernen, technologisch gebildeten Publikums aufzuheben, obwohl diese Gesellschaft in einer anderen technologischen Ära lebt, dabei aber kulturell und geistlich immer noch rückständig und archaisch bleibt.

Versuchen wir uns doch zusammen mit der musikalischen Sprache des Komponisten auseinanderzusetzen, wo jedes Bildchen, jedes Teil eine gute Möglichkeit bietet, uns in Form einer Serie zu unterhalten.
Heute beginnen wir mit dem Anfang, der sogenannten „Promenade“, die in diesem wunderbaren klavier-symphonischen Werk von Mussorgsky als Nummer eins steht.

„Promenade“. Mussorgsky gehört zu jenen seltenen Komponisten, bei denen nicht nur jeder Takt, sondern auch jeder Ton von grosser Wichtigkeit ist. Solche Komponisten gibt es sehr wenige. Und auch solche Werke, wie „Bilder einer Ausstellung“, gibt es in der Klavier-Literatur nicht viele.

Neben diesem Werk, wo jeder Ton, jede Modulation, jeder musikalische Schritt so bedeutend sind, können nur die besten Werke von Schumann, Tschaikowsky und Beethoven stehen. Hier hat buchstäblich jede Note eine künstlerische Bedeutung und ein künstlerisches Gewicht.

5.12  Nun möchte ich, dass wir zusammen Mussorgsky´s Bemerkungen analysieren, die er, wie es üblich ist, auf italienisch schreibt, da die ganze musikalische Terminologie in italienischer Sprache ist.

Was schreibt Modest Petrowitsch?

Er schreibt « Allegro giusto », was zwei Bedeutungen hat: entweder genaue und schnelle Bewegungen oder, wozu ich eher neige, „Allegro giusto“ – eine bequeme, schnelle Bewegung, nicht zu schnell und nicht zu langsam. Das entspricht seinem Charakter, deshalb betrachte ich das eben als zweite Interpretation.

Weiter schreibt er einen ganz langen Satz. Das machen Komponisten sehr selten und nur, wenn sie vollständig verstanden werden wollen.

Dann schreibt er « nel modo russico », was bedeutet „auf die russische Weise“.
Nun, wenn ich mich ans russischsprachige Publikum, meine Freunde wende, welche auf Russisch denken, dann verstehen wir ganz genau, was „auf die russische Weise“ bedeutet. Das heisst grosszügig, wagemutig, singend und sogar ein wenig chaotisch.
Das, was der unendlichen russischen Weite und dem russischen Charakter entspricht.

Weiter bittet uns Mussorgsky um unsere Konzentration auf die innere Welt der „Promenade“. Hier findet sich eine ganz grosse Divergenz, wenn während 150 Jahren die Musiker nur auf die Fassade achten. Im besten Fall versuchen sie, die Gangart oder die Körpersprache darzustellen, die ausdrucksstärker ist und die Innenwelt widerspiegelt.
In Wirklichkeit aber konzentrieren sie sich dabei nur auf die Fassade, welche der Name , „Bilder einer Ausstellung“, selbst provozierert – und wir kennen diese Bilder.

Bedauerlicherweise hat so ein oberflächliches Denken und eine solche Auffassung von der Interpretation, der Innenwelt und vom Leitgedanken weggeführt. Modest Petrowitsch wollte hier etwas ganz anderes zeigen, als die „Bildchen“. Die Bilder hier sind nur ein Reizerreger der Innenwelt, auf die Mussorgsky reagiert. Mussorgsky ist ein echter, russischer Mensch. Durch seine Innenwelt erzählt er uns über die Zeit, die Sitten und die Bräuche Russlands im 19. Jahrhundert sowie über die vorangegangene Zeit, die er sehr gut kennt.

Also , worum bittet Mussorgsky?

«Senza allegrezza» bedeutet „ohne Freude“.
Deshalb hat diese Bemerkung nichts mit der äußeren Welt zu tun, sondern mit der Innenwelt. Eine Gangart kann nicht ohne Freude sein. Und wenn es doch so sein sollte, so wird eine solche Gangart den Zustand unser Innenwelt widerspiegeln.
Das ist das Wichtigste, vorauf wir uns konzentrieren müssen.
« Senza allegrezza ». Ohne Freude…Demütig, freudlos nötigt man sich zu leben und zu bewegen. Vielleicht aber, sogar am ehesten in diesem konkreten Fall, zwingt man sich, eine Ausstellung zu besuchen, worauf man eigentlich gar keine Lust hat, weil dort alles bewegend, tragisch und nicht besonders angehnem ist.
Und dann bittet er um „poco sostenuto“ – „etwas Zurückhaltung»
Halt so eine lange Einführung.
Ein ganzes kleines literarisches Vorwort. Das ist aussergewöhnlich für einen Komponisten, der eigentlich mit nur zwei Wörtern das Tempo und die Bewegung beschreiben sollte.

9.49 Nun zum Stoff selber. Wir werden uns schrittweise bewegen und versuchen zu verstehen, was Modest Petrowitsch mit dieser Musik zum Ausdruck bringen will. Wie kann man das richtige Tempo und den richtigen Charakter finden. Wir werden sehen, dass der Komponist uns über seine Innenwelt erzählt, und nicht die Kinderbilder beschreiben wird.

Hier das erste Thema.

10.38 – Es ist sehr aussergewöhnlich, dass der Rhythmus variabel ist – 5 Viertelnoten, 6 Viertelnoten, insgesamt 11 Viertelnoten.

Was könnte dies symbolisieren? Das ist kein extravaganter Wunsch, in der Folkloristik zu sein. Hier sehen wir im Rhythmus das, was Modest Petrovitsch zugegeben hat – in „Promenade“ ist seine Physiognomie zu sehen. Zugegebenermaßen. Wenn ein Komponist so etwas zugibt, dann spricht er über seine Inspirationsquelle, was ihn zu diesem Werk gebracht hat, eben über seine Physiognomie. Und er gibt dies zu.

Das machen andere Komponisten nie, weil sie nicht als primitiv verstanden werden wollen. Und deshalb wollen sie nicht, dass unsere Ohren und unsere Herzen das mitbekommen, was eine Grundlage, ein Hauptimpuls eines Werkes ist.

Rachmaninov, zum Beispiel, vermied immer solche Bekenntnisse. Er war der Meinung, dass wir selbst daraufkommen sollen.

Schostakowitsch hat dies auch vermieden, später aber bereut, dass er uns keine Hinweisse gelassen hat.

Hier sagt Modest Petrowitsch : „Das bin ich, das ist meine Physiognomie“. Im Klartext, im Brief. Dabei spricht er ironisch. Er ist ironisch zu sich selbst , was dafür spricht, dass er ein hohes Kulturniveau und Sinn für Humor hat. Deshalb ziehe ich oft Parallelen zum großen russischen literarischen Werk von Venedikt Erofejev „Moskwa-Petuschki“. Er ist ein geistiger Nachfolger dieser ironischen, musikalisch-literarischen Richtung und der Ansichten eines grossen russischen Menschen auf das eigene Volk und auf sich selbst.

12.57  Das Mass der 11 Viertelnoten spricht für eine unordentliche Innenwelt und für die Unmöglichkeit eines starken Taktteils.
Mussorgsky beschreibt ironisch sein Autoportrait: „Nun ja, ich bin halt so ein russischer Bär, heute das eine, morgen das andere“. Deshalb 11 Viertelnoten.

13.26 – 13.32 Einmal so, einmal so.

Wie kann man ein richtiges Tempo bestimmen? Es ist offensichtlich bei den nächsten zwei Takten,

13.42 -13.49 hier haben wir mit dem Thema Chor zu tun. Mussorgsky identifiziert sich also mit seiner Innenwelt, selbstverständlich sein Volk vertretend, aber er ist hochintelligent, er spürt seine Verbindung zum Land. Er benützt den Sologesang, den Refrain und den Chor, was uns etwas über seinen Charakter sagt, seine Innenwelt – breit und dimensionslos, da die 11 Viertelnoten praktisch keine Grösse haben.

So ist er nun, grosszügig und russisch. Sein Grundbefinden, sein Charakter und seinen Sinn assoziiert er mit russischem Gesang. Und das ist völlig klar, denn etwas anderes konnte und kann nicht sein. Deshalb haben wir einen ausgeprägten Sologesang und eine Chorbegleitung.

14.54

15.05 – 15.12 Bei der Tempoauswahl sollen wir also vom natürlichen Chorgesang, vom russischen, gedehnten Gesang ausgehen.
Und sofort stossen wir auf die Fehler der Interpreten, die in unserer Zeit völlig die sinngemässen Pausen vergessen haben, die im Text und von der Musiklogik abhängig sein sollen. An dieser Stelle gehe ich zu sehr wichtigen fachlichen Sachen über,

15.47 nämlich dem Sologesang und dem Refrain.
Um das Tempo nicht zu verfehlen, müssen wir…
Ohne Zweifel haben wir hier, in diesen vier Takten, den Gesang der Volkslieder.
Niemand wird das bestreiten, weil das eine Tatsache ist, von Musikwissenschaftlern nachgewiesen.

Aber wo liegt der Hauptfehler der Interpreten?

Der Grundfehler der Interpreten liegt darin, dass sie seit der Mitte des 20. Jahrhunderts den Text hintereinander spielen und dabei denken, dass sie auf diese Weise den Lesetext reinlich machen.
Ebenso schlecht waren unklare romantische Bewegungen anfangs des 20. Jahrhunderts oder Ende des 19. Jahrhunderts, verschiedene romantische und pseudoromantische Unsinne der Interpreten, die man aus früheren Notizen kennt und die eine Folge des schlechten Geschmacks waren.

Später, Mitte 20. Jahrhunderts, wollten Musiker einen guten Geschmack haben und lasen die Texte hintereinander, was dazu geführt hat, dass sie, wie die Spechte, den geschriebenen Text hämmerten, dabei aber die musikalische Logik und die Logik des Textes vergassen.

Die Logik der musikalischen Sprache hat zwei Hypostasen.
Es gibt die Logik der Sprache, die unabhängig vom Komponisten ist. Hier sieht man, dass es die Chorbegleitung ist. Das heisst, dass der Chorgesang uns hier eine Logik gibt.

Und es gibt auch eine zweite Logik, die Logik der Sprache des Autors, wenn wir den Autor kennen, viel über seine Person wissen und seine Lebenserfahrung mitdurchleben. Wir wissen, dass die Kenntnis der Lebenslogik eines Autors die Fehler vermeiden kann.

18.05 Also, nun zu diesen ersten 4 Takten, von welchen ich so lange spreche.

Wo liegt der Grundfehler?

18.14 – 18.21 Man darf nicht den Sologesang und den Chorrefrain hintereinander spielen, denn es ist nie so. Das widerspricht der Logik der Musiksprache. Der Chor muss ganz einfach zuerst die Luft holen und erst dann, nach dem Vorsänger, anfangen, nach einer sogenannten Agogik Pause. Und so gewinnen dadurch die ersten 4 Takte eine ganz andere Bedeutung.

Was die Tempi betrifft, so kann man sich einfach ein weites, schnelles Tempo vorstellen, in welchem man singen kann, ohne die Phrasen zu verschlucken. Die entstandenen Traditionen geben eine solche Möglichkeit leider nicht. Die Tempi sind in der Regel schnell. Man kann dabei unmöglich frei singen. Impossible pour un Russe de se sentir libre, et c’est le message que Moussorgski veut nous faire passer. Ein Russischer Mensch kann sich nicht uneingeschränkt frei fühlen – das will uns Musorgsky übermitteln.

19.26 – 19.33 Jeder von uns, der in einem Chor singt, weiss genau, dass wir uns nach dem Sologesang mit dem Gesicht zum Chor wenden werden, dann stimmt der Chor ein.

19.41 -19.48 Das bedeutet, dass zwischen dem ersten Solo und dem Chor eine logische Pause sein muss, ohne die verliert dann die Musik den Sinn. Und der Charakter geht sofort verloren. Ich will nicht einmal erwähnen, dass viele Komponisten bei der Ochestrierung dieses Werkes sich täuschten, denn sie verstanden nicht, wovon diese Musik erzählt. Zum Beispiel, zeigt Ravels bekannte Orchestrierung, dass sogar er sich mit dem Charakter dieser 4 ersten Takten nicht ausgekannt hat, denn anstatt einer geschweisster Chorstimme übergab er den Solopart der Trompete.

Ein grosser Fehler. Schon von Anfang an verlegte er alles auf eine Ebene der einfachen Kolorierung. Eine menschliche, weite, seelische Stimme, besonders die Stimme der russischen Seele, darf nicht wie eine Trompete klingen. Eine Trompete ist scharf.

20.50 -20.52 Das ist eine flache, unangenehme, vergoldete Kugel, ein Hahn, der nichts mit der Musikseele Musorgskys zu tun hat. Danach wird noch ein Fehler begangen.
Wen der Solopart aufhört, beendet Ravel die Trompete und gibt die Entwicklung den Saiteninstrumenten weiter.

21.25 – 21.30 Nach 6 einleitenden Takten also, wo die Musik sich entwickelt hat, wo Mussorgskys Gedanken flossen, übergibt Ravel sie den Saiteninstrumenten. Und das ist ein zweiter grosser Fehler, ein dynamischer Fehler. Nach der lebhaften Trompete, anstatt dass sich der Ton dehnt, verengt er sich, weil die Saiteninstrumente viel milder tönen.

22.04 – 22.07 Diese Kolorierung führt uns auf eine ganz andere Ebene, bringt uns vom Wesentlichen weg. Die Kolorierung Ravels kopieren die Pianisten in der Regel, machen ein künstliches Diminuendo, genauer, künstlich reduzieren sie den Ton, anstatt laut ist die Einleitung leise, wo es umgekehrt sein sollte, dort breitet sich Mussorgskys Innenwelt aus. Sie breitet sich rhythmisch sowie auch klangmässig aus.

Also von Anfang an, von den ersten 6 Takten haben wir 2,3,4 und 5 Fehler, die uns auf eine andere Ebene und auf einen falschen Weg führen.

Gehen wir direkt zum Text.

23.14 -23.21 De Solist wendet sich dem Chor zu.

23.22 -23.29 Wichtig ist auch, wie ich es bereits gesagt habe, dass jeder Ton eine Bedeutung hat, eine kleine Mikrodynamik. Sie ist absolut notwendig, damit wir Veränderungen der Stimmung dieser Innenwelt in jedem Ton dieser wunderbaren Erzählung zeigen, hier ist bestimmtes Positiv, Dur;

23.55 -23.58 Übergang zum Minor, der Zweifel zeigt;

24.01 -24.02 Rückkehr zum Dur, das die Hoffnung zurückbringt;

24.06 -24.08 geht in das ferne Dur, das ein Fragezeichen symbolisiert;

24.16 -24.17 und die Rückkehr.

Das ist eine erstaunlich reichhaltige Reihe, die nur aus 11 Akkorden besteht, aber sie erzählt über einen grossen Schnitt in der Innenwelt des Autors.

Nun spiele ich das Ganze ohne Unterbruch, so, wie ich das für nötig befinde und wie man, meiner Meinung nach, diese wichtige Erklärung des Anfangs dieses grossen Werkes und Mussorgskys musikalisches Selbstbildnis durchlesen soll.

24.52 -25.34  Sehr interessant ist die Bemerkung des Autors, wenn er nach ersten kurzen Behauptungen uns seine Seele öffnet, und plötzlich, unerwartet, bricht er in der Mitte der Phrase ab, macht eine Pause.

Was will er damit sagen?

Er will uns sagen, dass in seiner Innenwelt endlose Vereitelungen passieren. Das ist offensichtlich und wir, die Musiker, müssen das Porträt seiner inneren Unsicherheiten zeigen.

26.18 – 26.30  Das ist eine sehr ausdrucksvolle Farbe, die für sein Porträt absolut nötig ist.

26.36 -26.53 An dieser Stelle endet die Erzählung über seinen Zustand, über die Grundlage seines grossen und weiten Charakters.

Ein solcher auralischer Charakter zeichnet den russischen Menschen aus: etwas vorhaben, gehen, und aus verschiedenen Gründen versagen.

Das heisst, dass es hier keine Reihenfolge gibt.

Er erzählt uns ironisch über seine inneren Probleme.

Aber die Beschreibung seines allgemeinen Zustandes und seines Charakters wird im mittleren Teil der „Promenade“ detailliert. Wir sehen, wie er sich in Details seiner Innenwelt vertieft, dabei zerkleinert und detailliert er jeden Akkord auf separate Intonationen.

Was haben wir hier?
Das heisst, dass er uns nach der Einführung in seinen allgemeinen Zustand einen mehr intimen und tieferen Einblick gewährt.

Jetzt versuchen wir, diese zwei Teile zu verbinden.

28.18 – 28.45 Und hier noch ein unerwartetes und interessantes Detail – die Сhromatismen in der mittleren Stimme.

28.51 – 28.55 Was bedeutet das?

Wieder ist es die ironische Eigenschaft. Damit beschreibt er seinen unsicheren Charakter. Wir kennen seinen Lebensweg, seine negativen Seiten und vermuten dadurch, dass er ein wenig berauscht ist.

29.25 -29.37 Weiter feuert er sich an.

29.39 – 29.42 Der Spaziergang geht weiter, weiter bewegt sich auch sein Charakter.

29.47 -29.57 Es erscheint ein sehr interessantes letztes Element: Er kommt nicht von der Stelle.

30.02 -30.07 Hier sieht man die Körpersprache – body language, den Charakter eines gutmütigen Menschen, der sich irgendwie bewegen will.

Nehmen wir an, er entscheidet sich für etwas, reisst sich zusammen. Erofejev sagte: „ich bin nicht gegangen, sondern habe mich gehen lassen“, weil die Beine nicht gehen konnten. Auch hier zwingt sich Modest Petrowitsch offensichtlich. Einerseits zeigt er den externen Teil der „Promenade“, den Weg zur Ausstelung. Anderseits ist das ein Teil seines guten, charismatischen Charakters.

Das erste Thema „Promenade“ ist beendet, wenn er nach bestimmten Zweifeln, nach inneren bitteren Überlegungen, sich zwingt zu gehen, das reflektiert in dieser Reihe Minor, wie eine Schicksalsergebenheit, von einem Fuß auf den anderen tretend,

31.19 – 31.22 sich zwingend, sich drängend, die verschobene betonte Zählzeit, was für seine Charakterlosigkeit und Kontrollosigkeit spricht.

31.41 – 31.46 Endlich reisst sich zusammen, nimmt die Beine in die Hand und geht, geht zum Ziel.

Hier ist also dieses wunderbare, ironische, traurige und gleichzeitig lustige, bittere und süsse, charmante Selbstbildnis unseres lieben Modest Petrowitsch.

“Promenade”.

Übersetzt von Irina Surber

 

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