Modest Moussorgsky: “Bilder einer Ausstellung”

„Promenade“

Hier präsentiert Modest Petrowitch sein musikalisches Selbstbildnis. Das Titelthema entspricht seiner geistlichen Stimmung. Er identifiziert seine Seelenstruktur mit den russischen Choralmelodien. Das ganze Stück ist der Darstellung verschiedener charakteristischer Merkmale des Selbstporträts des Autors gewidmet. Wo auch immer in diesem Werk das Hauptthema oder die Motive dieses Stücks erscheinen, ist es das Auftreten des Autors in verschiedenen Gemütszuständen. In verschiedenen – weil das Thema in Moll, in Dur und in völlig verschiedenen Registern variiert, in diversen Charakteren und Klängen, entsprechend dem Drama der Erzählung.

„Der Gnom“

In diesem Stück bricht Mussorgsky durch sein Nationalbewusstsein das Bild des europäischen Gnoms (von Hartmanns Bild) und gibt in der Musik die Bilder und die Skizzen von “russischen Gnomen”. Da diese Figur in der russischen Mythologie fehlt, wird sie auf der russischen Nationalgrundlage in verschiedenen musikalischen Skizzen von Charakteren der russischen Folklore, Bildern des “bösen Geistes” gezeigt.

Promenade – der Autor geht in einem leichten “Swing-Charakter” und bringt uns zum nächsten Bild.

„Das alte Schloss“

Mit Blick auf das Bild einer mittelalterlichen italienischen Burg gibt Mussorgsky ein trauriges Bild von einem vergangenen Leben, das einst in diesem Schloss war und in seiner Fantasie wieder auflebte. Das ist eine wunderbare Melodie, die auf den beliebten Motiven der italienischen Taranteln, insbesondere neapolitanischen, basiert ist. Das ganze Stück wird begleitet von Tamburinen in Bässen. Sie symbolisieren abwechselnd den Tanz, den Puls der Zeit, die Totenglocke.

Das musikalische Bild, das in Mussorgskys Seele entstanden ist, geht zu Ende mit dem traurigen Abschiedsausruf des Autors, was leicht zu interpretieren ist: “Lebewohl”.

Promenade – der Autor bricht die traurige Erzählung mit seiner energetischen Erscheinung, die an die Art des modernen Rock erinnert.

„Spielende Kinder im Streit“

Wir sehen eine Skizze von spielenden Kindern. Sie rennen aufeinander zu, spielen (Gorelki-Salki-Spiel), in der Mitte des Spiels hören und “sehen” wir eine flüchtige lichte “Kinderromanze”.

Das Stück geht mit dem Laufen der Kinder aus, wie am Anfang.

„Der Ochsenkarren“

In diesem tragischen Stück führt der Autor eine allegorische Verbindung zwischen dem Bild von Hartmann – Ochsen vor einen Wagen gespannt, und einem schweren Schicksal eines Menschen. Er projizierte sein hartes Schicksal auf das “ewige Joch”, in dem er sein eigenes und allgemeinmenschliches Schicksal metaphysisch darstellte.

Promenade – zunächst kann der Autor unter dem Eindruck einer schweren Emotion die Tränen nicht zurückhalten. Dann, als würde man weiter über das schwierige Leben des Menschen sprechen, verändert sich allmählich die Stimmung und verwandelt alles in einen Witz, der uns zum nächsten wirklich komischen Bild führt.

„Ballett der unausgeschlüpften Küken“

In dieser humorvollen glänzenden Humoreske sehen wir die realistischsten Soundskizzen eines großen Hühnerstalls. Die Szene endet mit einem Hahnenschrei.

„Samuel“ Goldenberg und „Schmuyle“

Ewiger Konflikt zwischen einem Reichen und Pompösen und dem Armen und Gedemütigten. Zwei Menschen symbolisieren die beiden Extreme der menschlichen Beziehungen. In einem „bunt bemalten“ jüdischen Kolorit.

Promenade – Der Autor führt das Drama zu dem letzten Teil und zeigt uns seine Person im entfalteten Selbstporträt, wie am Anfang, nur ist er stärker geworden.

«Limoges. Der Marktplatz»
(Die große Neuigkeit)

Zweite, nach dem “Hühnerballett”, humorvolle Humoreske.

Ein fantastisches, ironisches Porträt menschlicher Dummheit und des Müßiggangs. Ein riesiger Markt ist im Klatsch und  eine sprudelnde absurde “bedeutungslose verbale Aktivität”. Dieses Stück ist eine Essenz des musikalischen Humors.

Die Katakomben”
(Römische Gruft)

Der Autor stellt sich in den schwierigsten und traurigsten Gedanken des Todes dar. Am Ende des Stückes explodiert er verzweifelt. Dann kommt er “in die jenseitige Welt”, wo er seinen verstorbenen Freund trifft. Am Ende des Stückes gibt es eine seelische Erleuchtung und Ruhe.

“Die Hütte auf Hühnerfüßen” (Baba-Jaga)

Dies ist ein Porträt des russischen Bösen. Die Apotheose alles Dunklen, Unfreundlichen, Gemeinen und Aggressiven, was Mussorgsky in der Natur eines russischen Menschen sieht. Ein Stück, welches das Böse personifiziert, nimmt das Finale vorweg – einen Ausgang in “ewiges Licht”.

“Das Heldentor” (in der alten Hauptstadt Kiew)

Auch hier sehen wir den Autor in den Klängen des Anfangs des Werkes, aber er gewann alle Ängste und Widrigkeiten. Aus dem Schrecken des Todes, der Aggression des Bösen, der Gemeinheit, der Nöte des Lebens tritt der Autor ins Licht und steigt zu dem Ort auf, an dem nichts anderes als Licht ist. Es gibt nichts Böses. Da ist der Sieg des Guten.

Wir hören, wie der Autor seinen Glauben durch slawische Gebetslieder und orthodoxes Glockenläuten ausdrückt. Schließlich erscheint der Autor im Bild der goldenen Glocke, klingt sein Thema “Promenade” in dem Glockenspiel. Da kommt die Apotheose des Guten und des Glücks.

Vollständige Vorlesung über „Bilder einer Ausstellung“

Übersetzt von Irina Surber

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