Modest Mussorgsky. „Bilder einer Ausstellung“. Teil 3 „Das Alte Schloss“

Es gibt eine gewisse Unvermeidbarkeit, welche die klassische Musik verfolgt, besonders die letzten hundert Jahre und aus dem einen oder anderen Grund sie in eine gesonderte Kunst für ein öffentliches Publikum verwandelt. Viele Menschen verpassen die klassische Musik, sie denken dass sie etwas zu Spezialisiertes, nicht genug Lebendiges, eigentlich Langweiliges ist.

In Wirklichkeit existiert keine langweilige klassische Musik und kann nicht existieren. Denn vor allem die klassische Musik, wie jede andere Musik, ist auch die Seele des Komponisten, der sie geschaffen hat. Und dann meinen wir mit dem Wort „klassisch“ das Beste, das Kostbarste.

Das ist die Essenz der Schönheit, der menschlichen Schönheit, der Seele und der Kunst.

Der Grund, warum die klassische Musik manchmal, oder genauer für viele Jahre, von den meisten Musikliebhabern getrennt ist. Weil wir nicht genug … Wir, die Musiker, bringen die Seele des Komponisten nicht zum Vorschein, wir verstehen den Inhalt nicht genug gut und wissen nicht, wie man den psychologischen Kontext der musikalischen Werke entschlüsselt. Unsere Annäherung an die komplexe innere Welt, die sich in menschlichen Klängen ausdrückt, ist nicht genug professionell.

Das ist im besonderen mit dem wundervollen Stück passiert, über welches wir heute sprechen werden – eine irreparable Auslassung beim Lesen des Textes.

Wenn Sie sich erinnern, haben wir in den ersten zwei Episoden unserer Serie davon gesprochen, dass die „Promenade“ sehr schwierig war, weil sie das Selbstporträt eines lebenden Menschen ist und es nicht leicht ist, die verborgenen psychologischen Nuancen hervorzubringen. Aber zumindest gab es dort keine Fehler mit der Form.

Das erste Stück “Der Gnom“ in der Ausstellung von Gemälden, welche Mussorgsky für brillante Schöpfung inspirierte, erwies sich als zu kompliziert, weil es vom Unterbewusstsein gesprochen hat, den sehr komplexen psychologischen Mysterien der menschlichen Psyche. Deshalb war es offensichtlich sehr schwierig, zu entdecken, zu verstehen und an die Zuhörer weitergeben.

Aber zumindest in den ersten beiden Fällen gab es nicht zu viele Fehler mit der Form. Was „Das alte Schloss» betrifft, wovon wir heute sprechen werden, das ist eine sehr seltsame Geschichte. „Das Alte Schloss“, ein Gemälde von Hartmann mit dem Titel „Il Vecchio Castello“, bewirkte ganz andere Assoziationen in der Seele und im Gehirn von Mussorgsky, als der Titel selbst.

Es ist genau der Titel, der dem Fehllesen dieses Stücks zugrunde lag. Wir, die Interpreten, missverstehen die Absichten der Komponisten: zu direkt, zu primitiv, ausgehend von einigen autobiographischen Details oder nur dem Titel. Wir kümmern uns nicht um den musikalischen Kontext oder die Wurzeln, die die Inspiration gefördert haben. Das entfernt uns völlig von der Idee der Komposition, der musikalischen Idee und versetzt uns auf eine falsche Spur.

Seit Jahrhunderten werden einige Werke, selbst die meisten grossen ernsten Werke, falsch interpretiert. Die Zuhörer kennen die Melodien, die Noten, verstehen aber nicht und wissen nicht, worum es bei dieser Musik geht, wegen seiner schlechten Übertragung.

Was hat Mussorgsky auf diesem Gemälde gesehen? Er sah eine schöne Skizze eines alten italienischen Schlosses, und er nannte sein musikalisches Bild „Das alte Schloss“, ohne etwas zu

ändern, wie es bei allen Bilder der Fall war.

Aber leider sagt uns der Titel nichts. Man kann den Stein nicht spielen. Das alte Schloss prägte in den Seelen der Musiker nichts als das Bild eines alten und verlassen Steines in Form eines Schlosses.

Ich verstehe, warum das globale interpretative Denken eine falsche Richtung eingeschlagen hat. Andererseits ist es ein unverzeihlicher Fehler, der von der oberflächlichen und unprofessionellen Natur der Interpreten spricht, zu denen zu meiner großen Schande auch ich gehöre.

Niemand hat sich die Mühe gemacht, darüber nachzudenken, woher solche Ausdruckskraft und Traurigkeit kommt. Worum geht es in dieser Musik? Was hat das Bild dieses alten verlassenen Schlosses in Mussorgskys Herzen geweckt?

Im Prinzip ist es nicht sehr schwer zu erraten. Wenn jemand an die Vergangenheit denkt, denkt er an das Leben! Man denkt an das Leben in diesem Schloss, an diejenige Zeit, an das Land, das die Entstehung dieses Werkes inspirierte.

So ist das Italien! So ist das Leben in Italien! Das heißt, wir müssen uns vorstellen, was in diesem Schloss war, anstatt den Stein zu spielen.

Ein schönes Leben war in diesem Schloss, Modest Petrowitsch stellte es sich vor, beschrieb und weinte, weil dieser Besuch der Hartmann-Ausstellung mit sehr tragischen Ereignissen verbunden war. Ein Freund des Komponisten, jung, gutaussehend und in den besten Jahren des Lebens, war gerade plötzlich gestorben. Mussorgsky ist erschüttert. Er selbst ist sehr sensibel für die Begriffe der Sterblichkeit und Endlichkeit des Menschen. Es ist ein riesiger Schock.

Natürlich sind alle seine Gedanken in jedem Bild mit Leben und Tod verbunden. Wie war es möglich, dies während hundert vierzig Jahren zu ignorieren, das übersteigt mein Verständnis, übertrifft mein Gewissen! Dies zeigt die unglaubliche mentale und psychologische Verlangsamung der gesamten musikalischen Gemeinschaft! Zu der auch ich gehöre. Ich möchte unterstreichen, dass ich nicht Abstand nehme. Ich teile dieselben Fehler, die die Musiker in einhundertfünfzig Jahren aktiver Konzerte gemacht haben.

Lassen Sie uns analysieren, was passiert ist, was ist los in dieser Musik und woran dachte Modest Petrowitsch? [9:10]

Eine seltsame und gezierte Melodie, nicht wahr? Es gibt etwas maurisches, südliches. Sie windet sich wie eine kleine Schlange. Es gibt etwas Arabisches, Griechisches und Süditalienisches. Dies wird durch die tiefe Stimme übertragen.

Lassen wir uns zur hohen Stimme gehen. [9:50] Es scheint, dass sie Glieder einer einzelnen Kette sind, und das sind die Glieder einer Kette.

Aber diese Kette, deren Wurzel in Mussorgskys Seele eingetreten ist, ist einstimmig, und er verwandelt sie in Polyphonie, und verschiedene Glieder klingeln gleichzeitig.

Was heisst das? Worum bittet uns der Komponist, wie immer, auf Italienisch? Andantino sehr cantabile und mit Schmerzen. Also ohne Eile. Andantino ist etwas schneller als andante, also schneller als ein gemessener Schritt. Sehr singend, und mit Schmerz. Schmerzlich. Das bedeutet herzbeklemmend. Davon, was weg ist, und was am Leben war.

Woher könnte diese südliche Kette kommen, [11:24] der klar tanzende Rhythmus, der das Tamburin in der tiefen Stimme zum Vorschein bringt? Wir kommen näher… [11:40] 

Obere Stimme … [11:52]

Das italienische Schloss. Modest Petrowitsch denkt natürlich an Italien, in seinem Gehirn und in seiner Seele beginnt italienische Musik zu spielen.

Für einen Mann des Volkes wie Modest Petrowitsch, und ich betone immer, dass er ein wahrer Volkskünstler war, ist Italien die Volksmusik, deren eines der beliebtesten Themen die Tarantella ist. Erinnern Sie sich, wie sie tönt. [12:32]

Der folgende Teil ist mehr gewunden [12:52]

Und dann die Variationen [13:00]

Solche Musik in diesem Schloss wurde gespielt, als es lebendig war, als man tanzte, liebte, als es schöne Damen und schöne Herren dort gab. Offensichtlich sah das Modest Perowitsch und mit seiner bemerkenswerten Traurigkeit und russischen Nostalgie übertrug er die Ereignisse, die er durchlebte.

Das ist südmediterranische Musik, die natürlich griechische, maurische und afrikanische Nuancen hat… Sonst hätte sie Neapel nicht erreichen können, wo sie geboren und gebildet wurde. Dann kam sie in die Seele von Modest Petrowitsch… Aber er fand diese Musik nicht aus den Noten.

Modest Petrowitsch war immer mit Menschen zusammen, er war ihnen sehr nahe. Wo konnte er diese Musik hören? Natürlich unter Wandermusikern. Und wo konnte er die Wandermusiker sehen? Wo er die meiste Zeit verbrachte – im Restaurant.

Es gab ein Restaurant namens Malojaroslawez und Modest Petrowitsch war dort ein Stammgast. Dieses Restaurant wurde im Jahr 1870 in Petersburg eröffnet. Eben als Mussorgsky als Künstler und als Mann heranreifte.

In diesem Restaurant in St. Petersburg waren die Menschen den Ideen der russischen Besonderheit sehr verbunden. Man muss sagen, dass zu dieser Zeit in St. Petersburg ein Restaurant mit russischer Küche eine Seltenheit war. Es gab französische, deutsche, schweizerische Restaurants … und andere.

Aber kein russisches Restaurant, in dem man sich wie ein echter Russe fühlen und ein gutes Gigot mit Buchweizen geniessen konnte … Dies geschah in den 70er Jahren. Es gab ein Restaurant, das Malojaroslawez, sehr bekannt.

Viele Zeitgenossen von Mussorgsky erwähnen es und sagen, dass er leider zu viel Zeit dort verbrachte. Man hat darüber gesprochen: Die Belletristen dieser Zeit fanden sogar ein kleines ironisches Wort für dieses Hobby: „Cognaquen“. Es war die Intelligenz von St. Petersburg, die dieses Verb für Cognac erfunden hat.

Es ist offensichtlich, dass an diesem Ort viele Wandermusiker und gute Orchester waren … Wir werden übrigens … Ich erwähne dieses scheinbar unbedeutende Detail, denn in den folgenden Stücken werden wir die Verbindung mit der Musik verfolgen und die harmonischen Kombinationen, die nur in dieser Art von Ort gehört werden konnten.

Die harmonische Art, die harmonischen Verbindungen weisen auf Zigeunerorchester hin. Ihre Musik ist besonders und es ist ziemlich einfach, die Wurzeln der Musik zu verfolgen. Es ist interessant. Vermutlich waren sie durchreisende Künstler: eine Truppe von italienischen Wandermusikern.

Ich bin fest davon überzeugt, dass diese lebendige Musik in die Seele von Mussorgsky eingetreten war. Sie kommt nicht aus Musikliteratur oder Archiven, es ist unmöglich, solche Musik in Noten oder Opern zu finden. Nein, eher kommt sie von der Strasse, denn das ist eine sehr einfache Musik und man sieht ihre Verwandlung in Mussorgskys Seele. Mittelmeer, afrikanische Sonne kommt in Sankt-Petersburg an, kühlt ab, geht durch das Bewusstsein eines bemerkenswerten Russen, bricht sich und verwandelt sich in eine nostalgische Romanze fast von Zigeuner-Herkunft.

Das sind fantastische Metamorphosen. Deshalb spielen wir nicht mehr den Stein, und wir wissen, welches Tempo wir verwenden müssen, um uns nicht zu täuschen. Es gibt also einen großen Fehler von Anfang an im Tempo. Sie waren wahrscheinlich vor Andantino verwirrt, oder? Die Musiker mussten ihr Metronom auf Andante setzen und hatten einen völlig falschen Rhythmus.

Statt nach Mussorgskys Instruktionen bei 6/8 zu bleiben, war es notwendig, mit dem Zweischlag zu beginnen, so wie Neapolitaner zu dieser Musik tanzten. [18:27]

Natürlich muss man die traurigen Ereignisse und die seelische Bedrücktheit berücksichtigen, die diese Musik durchgemacht hat. Mussorgsky reproduziert genial seine Erinnerungen, den Schatten der Tarantella in St. Petersburg, durch seine persönliche Trauer und seine Gedanken über den Tod – memento mori.

Mussorgsky zitiert oft „Faust“, den er hasste, aber oft zitiert: “Genieße das Leben, dann schlaf in Frieden in deinem Sarg.” So ist Goethes Satz in der russischen Übersetzung. Mussorgsky hasste es, aber stimmte dem zu. Er sagte: “Es ist sehr schlecht gesagt, aber es ist wahr!“

Natürlich denkt er darüber nach. Es ist so eine Traurigkeit hier! Hartmann ist tot. Modest Petrowitsch ist in der materiellen Belästigung und sehr unglücklich. Während er selbst erschüttert ist, sieht er das Bild eines alten Schlosses, wo einst ein Leben war und es heute nur noch verschimmelte Steine gibt. Sie können sich vorstellen, wie all das traurige und melancholische Gedanken verursacht hat.

So haben sie sich ausgedrückt.

So wird die Musik, nachdem sie diese Bewusstseinsschicht überschritten hat, für uns klar und sehr verständlich. Wir machen keine Fehler im Tempo, im Inhalt oder in den Intonationen.

Sie dürfen sich nicht schämen, dass dieser grossartige Komponist seine Musik direkt von dem Bürgersteig aufgenommen hat. Er sammelte Blumen direkt aus dem Schlamm. In Wirklichkeit aber gibt es keinen Schlamm. Denken Sie an Toulouse-Lautrec, erinnern Sie sich an alle anderen Maler von Montmartre und andere grosse Maler. Der Künstler findet überall Schönheit und Gold, weil sie in seiner Seele sind und nicht dort, wo er ist.

Deshalb wird uns ein echter, rein-beseelter, warmherziger Künstler überall makellose Schönheit bringen: vom Restaurant bis zum Bordell oder sonst wo. Daher bekommen wir wunderbare Musik durch eine große Seele, ein großes Herz, durch ein Restaurant in St. Petersburg und einsame Nächte, mit einer Flasche Cognac und Musik im Restaurant.

Ich möchte auch sagen, dass dieser Ansatz das künstlerische Milieu in zwei gegensätzliche und

möglicherweise unvereinbare Lager aufteilt. Wir verstehen dann, warum Tschaikowsky oder Rachmaninov Mussorgsky hassten. Sie haben es einfach nicht akzeptiert, weil es für sie vulgär war.

In jedem zweiten Brief, in denen er von Mussorgsky spricht, sagt Tschaikowsky, dass es nur Vulgarität ist, dass es abartig, ekelhaft, unhöflich, abscheulich ist …

Na ja, Tschaikowsky und Rachmaninow waren beide Sänger der vornehmen Salone. Nun… Während dem Mussorgsky ein Sänger von Bürgersteigen und Tavernen war.

Ich verstehe sehr gut, warum Schostakowitsch Mussorgsky so sehr liebte; weil er seiner Seele nahe war.

In Bezug auf meine persönliche Einstellung habe ich einen sehr grossen Teil meines Lebens mit Sängern aus High-Society-Salons verbracht. Es war mir sehr nahe, viel näher. Aber im fortgeschrittenen Alter werden wir nicht toleranter, sondern haben eine breitere Sicht der Dinge. Und ich muss sagen, dass mir gerade jetzt die Künstler aus dem Volk näher und wertvoller sind, weil ihr Blick tiefer und globaler ist, mit den Wurzeln der Menschheit verwandt, mit der Geburt und dem Tod und nicht mit der raffinierten Individualität.

Folgen wir dem Text, wie wir es normalerweise tun, und schauen wir uns gemeinsam die brillante Verwandlung der Tarantella in die grausame Romanze von Modest Petrowitsch an, oder in eine Ballade, wie wir in der modernen Welt sagen würden. [23:45]

Wir sehen hier den zweiten Teil der Tarantella, und dann wendet er einfach den ersten Teil um und verwandelt ihn in eine wunderschöne Melodie. [24:03] Es ist wundervoll!

Das Tamburin wird dann zu etwas anderem als einfachen Tanzsprüngen glücklicher Trinker. Es geht nicht unbedingt um Säufer, es kann eine italienische Hochzeit oder etwas anderes sein, in Bezug auf die Orte, wo die Tarantella herkommt …

Sehr oft tanzt die Tarantella. Eine Tarantella ist immer in Form eines Scherzliedes komponiert: erste Strophe, zweite, dritte, vierte Strophe – wer wird am meisten erfinden. Mehr Strophen – mehr Streiche werfen, auf Russisch sagen wir „musikalische Knie“. Die Tarantella geht von Minor zu Major, einige Akkorde sind aufgehoben … Wir werden das alles im ganzen Text sehen.

Deshalb wählt Modest Petrowitsch auch die Form der Strophe, und deshalb habe ich das Wort Ballade erwähnt, was eine Geschichte ist und das ist seine Geschichte.

So verwandelt sich das Tamburin [25:21] in das Pulsieren der Zeit. Das ist genau das memento mori, das uns einerseits an die vergängliche Natur des Lebens erinnert, und auf der anderen Seite klingt es wie ein alarmierendes Sturmläuten, wie ein Herzschlag, der jederzeit aufhören kann. Die Spannung steigt so sehr und hält uns in unbewusster Spannung, wie im richtigen Leben. In der mittleren Stimme fügen wir eine leere Quinte hinzu, und eine Quinte ist immer die Angst vor der Leere. Das ist ein reines und leeres Intervall. Mit einem Stöhnen. [26:16] Jetzt schon mit zwei Stimmen hören wir den Puls des Lebens, den Puls unserer Gegenwart auf diesem Planeten.

Die mittlere Stimme weint und stöhnt, betrachtet das Schloss und spricht von dem Stöhnen der Geister, die dort sein könnten.

So wird das Genie mit zwei Tönen fertig! [26:47]

Etwas später fügte Modest Petrowitsch diese Melodie mit der hohen Stimme hinzu, weil seine Freunde befürchteten, dass es ein wenig langweilig und eintönig wäre. Offenbar haben sie auch nicht verstanden, worum es in dieser Musik ging. Natürlich ist sie überhaupt nicht eintönig. Es ist

immer noch möglich, die Hälfte der „Ornamente“ zu entfernen (wenn jemand sie überflüssig findet). Aber durch seine Intuition und sein Genie hat Modest Petrowitsch ein solches Tempo und Spannung erzeugt, dass es unmöglich ist, sich zu langweilen. Wenn man mit zwei Noten die Figur eines Troubadours hinzufügen wollte… [27:42] , Modest Petrowitsch, der in diesen einfachen Dingen redselig ist, fügte einen Troubadour hinzu. [27:55]

Hier ist die zweite Strophe. [28:02]

Absolut fabelhafte harmonische Schritte, die unsere Seele bis zum Äussersten berühren! Natürlich nimmt er sie von der Gitarre. An diesem Ort flog unser wunderbarer Modest Petrowitsch geographisch nach Spanien, weil diese Akkorde spezifisch für die spanische Gitarre sind. Deshalb verschwindet Modest Petrowitsch manchmal aus Italien und lässt sich in Spanien nieder, um seine Musik mit bestimmten Harmonien zu bereichern. Genauer gesagt im Süden Spaniens, in der Alhambra. [28:58] 

Was für Material für Jazz, für moderne Popmusik, Balladen. Jeder kann profitieren, ohne das Urheberrecht zu bezahlen. Das ist ein Wunder!

Nun, das ist die nächste Strophe.

Was macht Modest Petrowitsch an diesem Stück? Beginnend mit der totalen Leere, den Toten, den Steinen und den Gräbern fügt er allmählich in jeder Strophe mehr und mehr Leben hinzu. Wir werden sehen, was dort passiert war, was er sehen konnte. [29:48]

Er behält immer den Rhythmus des Tanzes und greift immer auf die kleinen Bindebogen zurück.

Es ist unglaublich, dass die Musiker solche Hinweise vermisst haben. Es muss tanzend, springend und hüpfend sein … Trotzdem haben sie es nicht gesehen. Mit anderen Worten, nach den ersten beiden Strophen, wo er gerade weinte, hören wir Tanzelemente: Er zeigt uns, was vor 500 Jahren in der Burg war. [30:06]  Jeder Satz endet immer mit einem Stöhnen und Wehklagen, da alles weg ist, alles ist vorbei.

Er war sehr sensibel zu diesem Thema. Was mit Hartmann und mit dieser Ausstellung passiert ist, tat ihm so weh. In der Biographie von Modest Petrowitsch finden wir viele bittere Reflexionen des Komponisten über Leben und Tod.

Insbesondere hat er die humanistische Idee von Tolstoi absolut nicht anerkannt, die ich jedoch ebenso gut anerkenne wie auch viele andere Menschen: die Idee, dass der Mensch nicht stirbt, sondern lebendig in unserem Geist bleibt und lebt mit uns weiter… Er lehnte diese Idee ab. Man kann sogar direkte Zitate zu diesem Thema finden. Er sagte: “Tröste mich nicht! Es ist keine Idee, sondern eine Frikadelle mit Meerrettich!” Weil wir von dort nicht zurückkommen.  [31:35] Das ist Polyphonie. Aus einer einfachen einstimmigen Tanzmelodie kommt ein polyphones Werk hervor.

Die vierte Strophe.

Er zeigte nicht nur das Tanzen, freudige Herren, Damen, und die Fächer und Flirt waren, … und er geht weiter zu einer Romanze, zu der Liebesgeschichte. [32:18]  Er nimmt diese Reihe von Akkorden aus dem Major-Teil der Tarantella. Wenn Sie es vergessen haben, erinnere ich Sie daran. [32:33] Wenn der Tanz heiss wird und wenn die Akkorde unterbrochen werden, bevor die Partner näher kommen. Hier ist er…  [32:55] So verwandelt es sich in Modest Petrowitschs Seele. Oh, es ist suspendiert …

Und was passiert weiter?. [33:14]  Das Auftreten solcher Chromatik in dieser harmonischen Gestaltung wird von Musikern immer als Zeichen der Sinnlichkeit interpretiert. [33:27]

Es geht um demonstrative Sexualität, Sinnlichkeit, mit Singen: “Es ist vorbei. Alles ist vorbei“. Und wir bleiben am Puls der Zeit. [33:48]  Der Klang einer Trompete! Modest Petrowitsch fügt Leben hinzu! [33:55] Die Leidenschaft! [34:04] Er sieht bereits das Leben, das hier war. Alles ist fast am Leben und … [34:14] hört auf. Er bringt diese Idee nicht zu Ende. Alles ist vorbei. Der Tanz ist zusammengebrochen. Das ist, was von den Leuten übrig geblieben ist. [34:35] Nur die Knochen, und Gräber. Die letzte Strophe. [34:40 – 34:46]

Was bedeutet das in Mussorgskys Sprache? Nicht nur in der Sprache von Mussorgsky, aber auch in der Sprache von Liszt, Schostakowitsch und allen intelligenten Komponisten. Was wir in der mittleren Stimme hören, ist die Chimäre des Todes.[34:57] Hört gut zu! Normalerweise wird es von einem Fagott gespielt. Der Tod wird oft von einem Fagott gespielt, oder durch mehrere Blasinstrumente, die es sehr gut imitieren.

Das ist die Chimäre des Todes. [35:17] Sie ist in der letzten Strophe, wo Modest Petrowitsch besonders expressivo fordert – ausdrucksvoll. Er betont es.

Wenn die Komponisten uns gegenüber toleranter gewesen wären, hätten sie das alles natürlich ausführlich beschrieben. Auf der anderen Seite, wenn man dumm ist, ist es irreparabel …

[35:39] Nun. Tod, der letzte Seufzer. Das ist wie ein Epitaph in der Sprache von Mussorgsky.

Und der letzte Schrei: “Lebe wohl!“. [35:59]  Lebe wohl, vergib mir, alles ist vorbei, alles wird vorüber, das Leben ist vorbei, die Liebe ist vorbei!… Nur die Knochen und die Asche bleiben übrig.

Hier ist der ganze Inhalt.

Vielen Dank!

[36:13 – 39:36]

Übersetzt von Irina Surber

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